Am 30. Oktober 2025 fand in Warschau die Veranstaltung Responsible Fashion Business statt – organisiert von Fashion Revolution Poland in Zusammenarbeit mit dem Thursday Gathering #243 im Venture Café Warsaw.
Die Mitgründerinnen von REmake IT nahmen aktiv teil: Eine von ihnen war Diskussionsteilnehmerin im Panel „Was ist los mit der Werbung?“, beide hielten einen Vortrag und präsentierten gemeinsam das Projekt Up_Art – eine Verbindung von Kunst, Mode und Verantwortung.
Diese Veranstaltung war nicht nur ein Impuls für die Modebranche, sondern auch für alle, die sie kommunizieren – insbesondere Werbung, Marketing und Messebau. Wenn Mode sich verändern muss, dann auch die Industrien, die sie sichtbar machen.
Zentrale Erkenntnisse der Veranstaltung
- Responsible Fashion Business zeigte, wie dringend Kreislaufmodelle, Transparenz und Verantwortung in der Modebranche umgesetzt werden müssen. (fashrev.pl)
- Im Rahmen von Thursday Gathering #243 fand das Panel „Was ist los mit der Werbung?“ statt, bei dem die Mitgründerinnen von REmake IT über kreative Verantwortung und nachhaltiges Design in der Kommunikation sprachen. Sie stellten außerdem das Projekt Up_Art vor, das zeigt, wie Materialien und Botschaften sinnvoll wiederverwendet werden können. (venturecafewarsaw.org)
- Fashion Revolution Poland betont regelmäßig, dass die „Mode-Revolution“ weit über Kleidung hinausgeht – sie betrifft Produktions- und Kommunikationsstrukturen sämtlicher Branchen. (fashionrevolution.org)
Warum die Werbe- und Messebranche Verantwortung übernehmen muss
Während Nachhaltigkeit meist mit der Textilindustrie in Verbindung gebracht wird, arbeiten auch Werbung und Messebau häufig nach einem Einwegmodell – enorme Mengen an Materialien werden produziert und nach kurzer Zeit entsorgt.
Ein Blick auf die Zahlen:
- Laut Eurostat betrug die gesamte Abfallmenge in der EU im Jahr 2022 rund 2,23 Milliarden Tonnen – etwa 4,9 Tonnen pro Person. (ec.europa.eu)
- Die Europäische Umweltagentur (EEA) gibt an, dass jeder Europäer jährlich durchschnittlich 14 Tonnen Materialien verbraucht und 5 Tonnen Abfall erzeugt. (eea.europa.eu)
- Untersuchungen zu Outdoor-Werbung (OOH) zeigen, dass Plakatkampagnen zu den materialintensivsten und am wenigsten kreislauffähigen Formen moderner Werbung gehören. (ResearchGate-Studie)
- Der UFI-Report zum Abfallmanagement in der Messebranche (2020) zeigt, dass bereits mittelgroße Messen mehrere Tonnen Material pro Veranstaltung erzeugen – meist für den einmaligen Gebrauch. (ufi.org)
Die Konsequenz: Werbung und Messebau beeinflussen nicht nur Markenbilder, sondern auch reale Materialströme – von Bannern und Plakaten bis hin zu Messeständen und Roll-Ups.
Unsere Erkenntnisse nach der Veranstaltung
Die Mitgründerinnen von REmake IT betonten während des Panels und Vortrags, dass Werbung nicht nur ästhetische Verpackung sein darf – sie muss die Werte einer Marke verkörpern.
Werbung verkauft nicht nur Produkte; sie gestaltet auch Vorstellungen, Werte und Konsumverhalten. Verantwortung muss daher Teil der kreativen Strategie sein.
Gerade OOH-Banner, Poster oder Messestände werden häufig als Wegwerfprodukte behandelt. Wir schlagen einen Perspektivwechsel vor: von „Drucken – Platzieren – Entsorgen“ zu „Gestalten – Wiederverwenden – Weiterdenken“.
Das Projekt Up_Art zeigt diesen Ansatz in der Praxis: Es verbindet Ästhetik, Wiederverwendung und Bildung – und beweist, dass Kommunikation gleichzeitig wirkungsvoll und verantwortungsvoll sein kann.
Drei konkrete Empfehlungen für die Werbe- und Messebranche
1.Für Wiederverwendung und Modularität gestalten
- Planen Sie Kampagnen und Messestände von Beginn an für mehrfachen Einsatz – mit modularen Systemen, robusten Materialien und demontierbaren Konstruktionen.
- Verankern Sie Umweltziele im Briefing: z. B. „Materialien mit mindestens 50 % Recyclinganteil“ oder „Messestand für mindestens drei Einsätze konzipiert“.
- Studien zeigen, dass selbst PVC-Banner zu langlebigen Produkten wie Taschen oder Regenjacken verarbeitet werden können. (ResearchGate-Studie)
- Verantwortung im gesamten Lebenszyklus übernehmen („Take-Back“-Systeme)
- Agenturen und Produzenten sollten Programme zur Rücknahme und Wiederverwendung von Materialien nach Kampagnen oder Messen anbieten.
- Ergänzen Sie Projektverträge um eine Anforderung wie: „Mindestens 50 % der Materialien müssen wiederverwendbar oder recycelbar sein.“
- Damit setzen Sie Prinzipien der Erweiterten Produzentenverantwortung (EPR) um – Verantwortung nicht nur für die Produktion, sondern auch für den gesamten Lebenszyklus.
- Wirkung messen und kommunizieren
- Entwickeln Sie einfache Kennzahlen: m² bedruckter Fläche, Prozentanteil der Wiederverwendung, Abfallreduktion.
- Kommunizieren Sie diese Daten transparent gegenüber Kunden und der Öffentlichkeit – das schafft Vertrauen und Bewusstsein.
- Nutzen Sie Nachhaltigkeit als Differenzierungsmerkmal: In Zeiten wachsender Konsumentenbewusstheit gewinnt jede Marke, die glaubwürdig handelt, an Stärke.
Fazit
Die Teilnahme am Responsible Fashion Business und Thursday Gathering #243 war mehr als eine Präsentation – sie war ein Aufruf zu branchenübergreifender Verantwortung.
Als Kreative tragen wir enorme Gestaltungskraft: Wir beeinflussen, wie Menschen Marken sehen, was sie kaufen und wie sie handeln.
Die Zukunft der Werbung liegt in verantwortungsvoller Gestaltung – in Kampagnen, Ständen und Bannern, die bewusst entwickelt werden.
Bevor Sie Ihre nächste OOH-Kampagne oder Messepräsentation planen, stellen Sie sich die Frage:
„Wie kann diese Botschaft nicht nur sichtbar, sondern auch nachhaltig sein?“
Gestalten wir Kommunikation, die Einfluss und Kontinuität verbindet – und geben wir Materialien, Ideen und Botschaften ein zweites Leben.